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Infos zur Sprachindustrie

Der Markt für ausgelagerte Sprachdienstleistungen in 2011 betrug etwa 22,575 Milliarden Euro (Common Sense Advisory). Dazu kommen Leistungen hauseigener Übersetzer, Fremd-sprachenkorrespondenten usw. Dabei sind 58,07% aller Sprachdienstleister weltweit in Europa angesiedelt, 17,71% in Westeuropa, also etwa 4 Milliarden Euro. Die Sprachindustrie war der einzige Zweig, der während der Krisenjahre ungebrochenes Wachstum erfuhr.

Sprachdienstleistungen bedeuten dabei nicht einfach nur „Übersetzen“, was im Prinzip nur das Übertragen eines schriftlichen Texts in einen anderssprachlichen schriftlichen Text beinhaltet. Es gibt Dolmetschen, d. h. mündliches Übersetzen, vor Ort oder am Telefon, Lokalisierung, die das Anpassen auf landes- oder gar regionalspezifische Eigenheiten beinhaltet. Auch die Textarten unterscheiden sich dramatisch, denn ein Finanzbericht ist nicht gleich die Menüführung Ihrer Software, und der deutsche Filmuntertitel braucht nicht dem zu entsprechen, was passend zur Mundbewegung produziert sein will. 

So vielfältig die Art dessen ist, was es in eine andere Sprache zu übertragen gilt, so breit gefächert sind die Spezialisierung derer, die diesen Beruf ausüben. Die Landschaft der möglichen Übersetzerdienstleisterstrukturen erstreckt sich vom weltweiten Konzern bis hin zum Einzelkämpfer hinterm heimischen Monitor. 

Selbst die Europäische Kommission als größter „Einkäufer“ stößt da an ihre Grenzen und belegte in einer Studie letztes Jahr: Nicht die Tatsache, dass Übersetzung größtenteils unsichtbar scheint, ist das Problem, sondern die Auswirkung, dass Übersetzung, vor allem menschliche und professionelle, letztlich als überflüssiges Übel empfunden wird, das keine Kosten rechtfertigt (Euréval: Contribution of translation to the multilingual society in the EU). Maschinelle Übersetzung von Google & Co. tun ihr Übriges den Übersetzer im Licht der Öffentlichkeit im Schatten verschwinden zu lassen. Unberechtigterweise, wissen die Profis, denn „Fit for Purpose“ lautet die Prämisse: Gut genug. Unter dem Aspekt „welche Art von Übersetzung ist gut genug für meinen Zweck“, lässt sich die Flut von dem, was Internationalisierung, Globalisierung und das World Wide Web mit sich bringen, in ein Maß zurück stutzen, das sich hantieren lässt.